Scrum Grundlagen einfach erklärt: Der Sprint

Artefakte, Aktivitäten, Rollen, Backlog, Sprint und Product Increment… Wenn es um Scrum geht, werden Sie auf diese Begriffe treffen. Das klingt zu Beginn recht kompliziert, aber ist eigentlich ganz einfach. Um Klarheit zu schaffen, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag Schritt für Schritt den Ablauf eines Sprints. Doch erst einmal eine kurze Einführung zu den Themen agiles Projektmanagement und Scrum.

Agiles Projektmanagement und Scrum

Der Leitgedanke des agilen Projektmanagements basiert auf dem Konzept hoher Flexibilität und Anpassung. Statt ausführlicher Vorab-Planung, wie im klassischen Projektmanagement, wird hier iterativ, also Schritt für Schritt, vorgegangen. Das Projekt-Team organisiert sich zum größten Teil selbst, während es den Projektmanager im traditionellen Sinne nicht gibt.

Scrum ist ein weit verbreiteter Ansatz des agilen Projektmanagements und bezeichnet eine Vorgehensweise, die vor allem in Software-Entwicklungsprojekten angewendet wird. Im Scrum gibt es nur wenige Regeln, die sich auf drei Artefakte, drei zentrale Rollen und fünf Aktivitäten beschränken.

Grundlegendes zum Sprint

Scrum zeichnet sich vor allem durch regelmäßige und wiederholbare Arbeitsabläufe aus. Diese Zyklen werden meist Iteration oder Sprint genannt und sind zeitlich beschränkt. Ursprünglich wurden Sprints in der agilen Software-Entwicklung auf 30 Tage terminiert. Mittlerweile geht der Trend verstärkt in die Richtung von ein- oder zweiwöchigen Sprints.

Ziel eines jeden Sprints ist es, ein funktionsfähiges Zwischenprodukt, das auch Product-Increment genannt wird, zu entwickeln. Da die Zeit eines Sprints beschränkt ist, kann sich das Scrum Team jeweils nur auf die Weiterentwicklung der grundlegenden Funktionalität des Zwischenprodukts  und auf kurzfristige Ziele konzentrieren. Dies motiviert auch den Product Owner, sich auf die wichtigsten Funktionen des Zwischenprodukts zu beschränken. 

Die einzelnen Sprints bauen immer aufeinander auf, wobei sehr oft Entwicklungen aus vorherigen Sprints ersetzt oder als „Lessons Learned“ wieder verworfen werden.

So läuft ein Sprint ab

So läuft ein Sprint ab

01 Vor dem Sprint

Jeder Sprint beginnt mit dem Sprint Planning Meeting, in dem die nächste Projektetappe, also der nächste Sprint, geplant wird. Im Sprint Planning Meeting wird entschieden, welche Anforderungen aus dem Product Backlog im Sprint bearbeitet werden sollen. Nachdem die Anforderungen ausgewählt wurden, werden sie im jeweiligen Sprint Backlog festgehalten und in Aufgaben, die innerhalb eines Tages erledigt werden können, unterteilt. Zu beachten ist hier, dass der Product Owner allein entscheidet, welche Anforderungen im Sprint bearbeitet werden. Das Scrum Team wiederrum bestimmt eigenständig, wie es diese Anforderungen bearbeiten wird.

Nachdem der Arbeitsumfang eines Sprints im Sprint Planning Meeting festgelegt wurde, kann der Product Owner keine weiteren Aufgaben hinzufügen. Damit werden Kontinuität und konzentriertes Arbeiten gewährleistet. Nur auf Grund entscheidender Änderungen im Projektumfeld, wie z.B. einer plötzlichen Veränderung der Anforderungen durch den Auftraggeber, kann ein Sprint durch den Product Owner oder Scrum Master abgebrochen werden. Jedoch sollte diese Situation nur in Ausnahmefällen eintreten.

02 Während dem Sprint

Eine weitere wichtige Aktivität während eines Sprints ist das tägliche Scrum Meeting (Daily Scrum). Das Scrum Meeting findet jeden Tag zur selben Zeit und am selben Ort statt. Das Meeting wird oft im Stehen durchgeführt, um es nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Grundsätzlich sollte der Daily Scrum nicht länger als 15 Minuten dauern.  Der Daily Scrum ist eine Teambesprechung im Scrum Team, die vom Scrum Master moderiert wird. Während der Product Owner eine wichtige Rolle in allen anderen Meetings (Aktivitäten) spielt, ist seine Anwesenheit im Daily Scrum nicht zwingend notwendig. Das Scrum Team entscheidet, ob es nötig ist, dass der Product Owner am Daily Scrum teilnimmt oder nicht.

 Im Daily Scrum gibt jedes Teammitglied ein persönliches Feedback auf dieselben drei Fragen:

  • Was habe ich gestern, also seit dem letzten Scrum Meeting, erledigt?
  • Was werde ich bis morgen, also bis zum nächsten Scrum Meeting, bearbeiten?
  • Welche Hindernisse stehen meinem Fortschritt im Weg?

Dabei geht es vor allem darum festzustellen, wie weit das Scrum Team mit der Bearbeitung der Anforderungen des Sprint Backlogs ist. Die einzelnen Teammitglieder berichten über ihre Fortschritte und übernehmen neue Aufgaben. Zusätzlich wird oft eine Liste mit allen Punkten geführt, die während dem Daily Scrum auftauchen, jedoch nicht auf der Agenda stehen. Diese Punkte können nach dem Daily Scrum besprochen werden.

03 Nach dem Sprint

Nachdem ein Sprint abgeschlossen wurde, findet das sogenannte Sprint Review Meeting statt. Im Sprint Review Meeting wird das Zwischenprodukt dem Produkt Owner und ggf. weiteren interessierten Stakeholdern vorgestellt. Anschließend wird der Product Owner überprüfen, welche Anforderungen des Sprint Backlogs erfüllt wurden. Anforderungen, die nicht erfüllt wurden, werden wieder in den Product Backlog aufgenommen. Zum Abschluss können anwesende Stakeholder ihr Feedback zum Zwischenprodukt einbringen. Daraus entstehen ggf. neue Anforderungen, die der Product Owner in den Product Backlog aufnimmt und priorisiert.

Zusätzlich findet zum Abschluss eines jeden Sprints ein Sprint Retrospective Meeting im Scrum Team statt. In dieser Besprechung steht nicht, wie im Sprint Review, das Produkt im Vordergrund, sondern die Arbeitsweise des Entwicklungsteams. Im Sprint Retrospective Meeting wird deshalb besprochen, was im Sprint gut geklappt hat, was nicht und wie es im nächsten Sprint besser gemacht werden kann. Dadurch soll die Arbeitsweise des Entwicklungsteams kontinuierlich von Sprint zu Sprint verbessert werden.

04 Nach dem Sprint ist vor dem Sprint

Nachdem ein Sprint mit dem Sprint Review Meeting und dem Sprint Retrospective Meeting, abgeschlossen wurde, steht bereits der nächste Sprint an. Es werden so viele Iterationen nach dem oben beschriebenen Schema durchgeführt, bis das Endprodukt steht.