Agile Methoden: So funktioniert Scrum

Agiles Projektmanagement

Der Leitgedanke des agilen Projektmanagements basiert auf dem Konzept hoher Flexibilität und Anpassung. Statt ausführlicher Vorab-Planung, wie im klassischen Projektmanagement, wird hier iterativ, also Schritt für Schritt, vorgegangen. Das Projekt-Team organisiert sich zum größten Teil selbst, während es den Projektmanager im traditionellen Sinne nicht gibt. Auf Grund dessen erfordert agiles Projektmanagement ein hohes Maß an Selbstmotivation aller Teammitglieder. Besonders im Bereich der Softwareentwicklung ist dieser Ansatz von hoher Bedeutung. Mehr zum Thema agiles Projektmanagement finden Sie in einem ausführlichen Beitrag auf dem InLoox Blog. 

Die Grundidee von Scrum

Definiert und beschrieben wird Scrum in The Scrum Guide, der von Ken Schwaber und Jeff Sutherland 1995 publiziert wurde und kontinuierlich aktualisiert wird. Schwaber und Sutherland definieren Scrum, wie folgt:

"Ein Rahmenwerk, innerhalb dessen Menschen komplexe adaptive Aufgabenstellungen angehen können, und durch das sie in die Lage versetzt werden, produktiv und kreativ Produkte mit dem höchstmöglichen Wert auszuliefern." (Schwaber, Ken; Sutherland Jeff: Der Scrum Guide. Definition von Scrum, Juli 2013, www.scrumguides.org)

Scrum bezeichnet damit eine bestimmte Vorgehensweise, die vor allem in Software-Entwicklungsprojekten angewendet wird. Diese Vorgehensweise und ihre Werkzeuge wurden auf das Projektmanagement und andere Entwicklungsprojekte übertragen. Der Begriff Scrum kommt ursprünglich aus dem Sport Rugby. Hier steht Scrum für einen bestimmten Spielzug. Übertragen auf Projekte soll dieses Bild hauptsächlich die herrschende Flexibilität und Dynamik des Spielfeldes wiedergeben.

Die Grundidee von Scrum ist ein Projekt nicht strikt durchzuplanen, sondern Schritt für Schritt in sogenannten Sprints durchzuführen. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass sofort auf kurzfristige Änderungen und Probleme reagiert werden kann.  

Damit liegt bei Scrum der Hauptfokus auf Selbstorganisation und Selbstmotivation. Es gibt nur wenige Regeln, die sich auf drei Artefakte, drei zentrale Rollen und fünf Aktivitäten beschränken: 

Scrum-Artefakte

  • Product-Backlog: Im Product-Backlog werden alle Anforderungen an das Produkt gesammelt und durch den Product Owner organisiert und weiterentwickelt.
  • Sprint-Backlog: Für jeden Sprint wird aus dem gesamten Anforderungskatalog des Product-Backlogs eine Auswahl von Anforderungen getroffen. Diese werden innerhalb des entsprechenden Sprints bearbeitet.
  • Product-Increment: Jeder Sprint endet mit einem funktionsfähigen Zwischenprodukt (Produktinkrement). 

Scrum-Rollen

Im Projektmanagement mit Scrum sind drei zentrale Rollen von Bedeutung: Product Owner, Scrum Master und Scrum Team. Nachfolgend werden die einzelnen Rollen kurz vorgestellt und beschrieben.

  • Product Owner: Der Product Owner ist für die Erstellung einer konkreten Produktversion zuständig. Zusätzlich stellt er fachliche Anforderungen an das Projekt und priorisiert diese. Er ist für den geschäftlichen Erfolg des Projektes verantwortlich, steht in regelmäßigem Kontakt mit dem Auftraggeber und gibt Feedback an das Team.
  • Scrum Master: Der Scrum Master, auch Project Master genannt, fungiert als Moderator im Projektteam. Er ist nicht der Projektleiter, sondern viel mehr dafür zuständig, dass Scrum funktioniert und die Regeln des agilen Projektmanagements eingehalten werden. Die erfolgreiche Kommunikation im Team, die Moderation von Meetings und das Abschirmen des Teams von externen Störungen fallen in seinen Aufgabenbereich.
  • Scrum Team: Das Scrum Team (Entwicklungsteam) entwickelt das Produkt. Das Team organisiert sich selbstständig und liefert die Produkteigenschaften, in der vom Product Owner vorgegebenen, Reihenfolge. 

Scrum-Aktivitäten

Der Begriff Aktivitäten steht hier für verschiedene Arten von Meetings:

  • Sprint Planning: Im Sprint Planning wird immer die nächste Projektetappe (Sprint) geplant. Dafür werden die Anforderungen aus dem Produkt Backlog in Aufgaben, die innerhalb eines Tages erledigt werden können, unterteilt. Die erledigten Aufgaben eines Sprints/einer Projektetappe landen anschließend im Sprint Backlog.
  • Daily Scrum: Der Daily Scrum findet täglich und in der Regel morgens statt. Darunter wird eine Besprechung mit allen Teammitgliedern verstanden. Diese Besprechung sollte nicht länger als 15 Minuten sein.
  • Sprint Review: Jeder Sprint wird mit einem Sprint Review durch das Entwicklungsteam abgeschlossen. Im Sprint Review wird das Zwischenprodukt überprüft und anschließend ggf. der Product Backlog angepasst. Zusätzlich wird Feedback vom Product Owner und den Stakeholdern eingeholt und die nächsten Schritte besprochen.
  • Sprint Retrospective: Hier steht nicht, wie im Sprint Review, das Produkt im Vordergrund, sondern die Arbeitsweise des Entwicklungsteams. Diese soll kontinuierlich für die nächsten Sprints verbessert werden.
  • Product Backlog Refinement: Im Rahmen dieser Aktivität organisiert und aktualisiert der Product Owner den Product Backlog.

Das agile Projektmanagement mit Scrum bietet vielfältige Vorteile. Vor allem die hohe Flexibilität und der stark ausgeprägte Team-Gedanke sprechen für diese Methode. Aber auch der kontinuierliche Verbesserungsprozess durch einzelne Sprints gilt als einer der größten Vorteile von Scrum. Dennoch schützt diese Methode nicht vor Sackgassen in Projekten, aber Sie werden diese meist früher erkennen. Scrum eignet sich besonders für Projekte, bei deren Beginn Sie noch vielen Fragezeichen gegenüberstehen, da Anpassungen im Projektverlauf bereits vorgesehen sind.