Ideengenerierung (6) - Die Walt-Disney-Methode

Das Dschungelbuch, Cinderella, Bambi, 101 Dalmatiner und viele, viele mehr. All diese Kreationen haben wir einem Mann zu verdanken: Walt Disney! An wem könnte man sich also besser orientieren, wenn es um Kreativität und Ideenfindung geht, als am Meister persönlich? 

Das Rollenspiel von Walt Disney ähnelt der 6 Hüte-Methode und ist eine Brainstorming-Alternative. Im Idealfall sollten mindestens 3 Teilnehmer mitmachen. Aber eine Person kann die Methode auch alleine anwenden.

Die drei Rollen der Walt Disney Methode

Es gibt drei Rollen:

  • Der Träumer: Entwickelt eine vielzahl von Ideen, ohne über die Umsetzbarkeit dieser Ideen nachzudenken.
  • Der Realist: Verwirklicht die Ideen des Träumers, indem er sie analysiert und Lösungen findet, um das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.
  • Der Kritiker: Bewertet die Ideen, die sich der Träumer ausgedacht und der Realist umgesetzt hat, und gibt konstruktives Feedback und zeigt mögliche Risiken auf.

Im Idealfall gibt es für jede Rolle einen separaten Raum, aber drei Stühle in verschiedenen Ecken eines Raumes reichen aus. Verschiedene "Dekorationen" können den Weg in die Rollen erleichtern: Der Träumer sollte in einer möglichst schönen Umgebung sein, der Raum sollte bunt und hell sein, so dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, während der Realist über alle möglichen Werkzeuge verfügen sollte, um diese Träume zu verwirklichen. Der Kritiker hingegen sollte in einem kleinen, engen Raum sitzen und sich grundsätzlich jeder einzelnen Idee widersetzen, indem er auf alle Schwachstellen der Ideen hinweist.

Der Rollenspielprozess

Zunächst sollte es einen Testlauf geben, damit die Teilnehmer mit den verschiedenen Rollen vertraut werden.

Im Träumerbereich werden die Teilnehmer gebeten, sich einen besonders schönen oder kreativen Moment in ihrem Leben vorzustellen. Sie sollten einen positiven Einfluss spüren und mit einem besonders guten Gefühl in die nächste Phase übergehen - in den realistischen Bereich. Hier müssen die Teilnehmer an eine Situation denken, die sie durch rationales und logisches Denken gelöst haben, und sich genau erinnern, wie sie das gemacht haben. In der letzten Phase - im Bereich des Kritikers - ist Skepsis angebracht. Die Teilnehmer sollten sich daran gewöhnen, alles zu hinterfragen und Risiken in Projekten zu identifizieren, damit sie ihre Ideen später auf Herz und Nieren prüfen können.

Nach einer kurzen Ruhephase übernehmen alle Teilnehmer nacheinander alle drei Rollen und können Ideen entwickeln, verbessern, umsetzen und kritisieren. Das bedeutet, dass sie zuerst als Träumer Ideen entwickeln, dann zum Realisten-Bereich gehen und ganz am Ende nehmen die Teilnehmer die Rolle des Kritikers. Das Team kann das so lange fortsetzen, bis eine oder mehrere realisierbare Ideen entstanden sind.
Damit die Teilnehmer nicht von Thema abweichen oder zu unsachlich in ihrer Kritik werden, kann bzw. sollte ein Moderator unterstützend zur Seite stehen.

Vorteile der Methode

Auch wenn die Methode sehr einfach erscheint, Sie ermöglicht es Teams und Unternehmen echte Produkte zu entwickeln. Die Walt Disney Company hat selber auf Basis dieser Kreativitätsmethode eine ganze Abteilung gegründet: Walt Disney Imagineering. Die Imagineering-Abteilung ist für die Entwicklung neuer Disneyland Attraktionen zuständig.

Ein großer Vorteil der Walt Disney Methode ist, dass die Teilnehmer alle Rollen übernehmen, unabhängig davon mit welcher sie sich am ehesten identifizieren. So müssen die Team-Mitglieder über den Tellerrand schauen und die eigene Komfortzone verlassen. Die Folge ist, dass sie eher Ideen in den Raum werfen, die sie sonst nicht vorgeschlagen hätten. Somit haben Sie eine Fundgrube von Ideen, auf die Sie jederzeit zurückkommen können. Das ist nämlich eines der Prinzipien bei Walt Disney: Ideen werden nicht vollständig verworfen. Oftmals kehren Mitarbeiter nach Jahren wieder zurück zu einer Idee und entwickeln Sie weiter und setzen sie um – z.B. weil die technologische Entwicklung es nun zulässt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Methode es ermöglicht, Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, so dass man bessere Lösungsansätze entwickeln kann. Dank der gegenseitigen Kontrolle zwischen den drei Rollen, werden Sie am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit eine umsetzbare Idee haben mit der Sie Qualität, Ästhetik, „Magie“ mit Budget- und Zeitbeschränkungen in Einklang bringen können.

 
 

Lesen Sie auch die anderen Beiträge dieser Reihe:

  1. Ideengenerierung aus dem eigenen Unternehmen
  2. Innovation Labs
  3. Das Laterale Denken
  4. Der Ideenwettbewerb
  5. Innovation Digging