Ideengenerierung (3) - Das Laterale Denken

Viele Menschen behaupten von sich, entweder kreativ oder eben nicht kreativ zu sein. Angeblich unkreative Menschen ruhen sich dabei gerne auf dieser Ausrede aus. In gewissem Maße ist Kreativität aber erlern- und förderbar. Nachdem wir uns in den letzten beiden Beiträgen mit unternehmensweiter Innovationskultur und offener Ideenentwicklung beschäftigt haben, soll es in den folgenden Beiträgen deshalb darum gehen, wie Sie Ihre Mitarbeiter mit Hilfe von zahlreicher möglicher Kreativitätstechniken gezielt zu mehr Kreativität und Ideenreichtum führen. Dabei beschäftigen wir uns diesmal genauer mit dem sogenannten ‚lateralen Denken‘.  

Wie wird Kreativität allgemein gefördert?  

Aller Anfang ist schwer, aber schon mit ein paar einfachen Übungen am Morgen kann Kreativität gefördert werden – nämlich indem man seine beiden Hirnhälften dazu bringt, besser zusammenzuarbeiten. Versuchen Sie zum Beispiel, Ihre „schwache“ Hand mehr einzubeziehen. Putzen Sie Ihre Zähne normalerweise mit der rechten Hand? Dann nehmen Sie künftig öfter die linke! Eine weitere gute Übung ist folgende: Stellen Sie sich aufrecht hin und heben Sie das rechte Knie bis auf Hüfthöhe an. Bringen Sie gleichzeitig Ihre rechte Hand zu diesem Knie. Dasselbe wiederholen Sie mit der linken Seite. Beim nächsten Durchgang bringen Sie statt der rechten Hand die linke Hand zum rechten Knie und umgekehrt. Anschließend wieder die rechte. Wiederholen Sie diese Bewegungen bei hoher Geschwindigkeit so oft, bis Sie keine Schwierigkeiten mehr mit der Koordination haben. Schon nach wenigen Wochen werden Sie die Ergebnisse merken! 

Kreativität bzw. neue Denkansätze allgemein werden im Unternehmen außerdem allein dadurch gefördert, wenn Sie Menschen aus verschiedenen Hintergründen und Disziplinen zusammenbringen.  Erfahrene Mitarbeiter zum Beispiel haben meist ein enormes Know-How, sind aber oft in ihrem Denken festgefahren. Bringen Sie diese Mitarbeiter mit jungen Talenten zusammen und freuen Sie sich auf die daraus entstehenden Ideen. Kommen diese Mitarbeiter dann auch noch aus unterschiedlichen Fachbereichen ergibt sich ein noch größeres Innovationspotenzial.  

Spannend wird es auch, wenn Mitarbeiter mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen. Das birgt zwar auch Konfliktpotenzial, mit der richtigen Vorbereitung lässt sich dieses aber umgehen und es können wunderbare neue Ideen entstehen! 

Kreativitätstechnik „Laterales Denken“ 

Wer aber Kreativität nicht nur allgemein, sondern ganz gezielt – zum Beispiel im Laufe eines Workshops – fördern will, kann aus einem Pool von zahlreichen Kreativitätstechniken schöpfen. Darunter fallen unter anderem das Brainswarming, das Design Thinking, das Mind Mapping und das Lego Serious Play, mit denen wir uns in den letzten Jahren bereits auseinandergesetzt haben. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte ‚laterale Denken‘, um das es im Folgenden gehen soll. 

Starten wir aber zunächst mit einem kleinen Rätsel um zu prüfen, wie gut Sie bereits im lateralen Denken sind: Tim und Veronika gehen ins Kino. Plötzlich wird Tim unruhig und beginnt, Veronika zu treten. Enttäuscht verlässt Veronika das Kino und geht nach Hause. Was ist vorgefallen? 

Die Auflösung gibt es am Ende des Beitrages! Aber was bedeutet laterales Denken jetzt genau? 

Nach Edward de Bono, dem Erfinder des Konzepts, bedeutet laterales Denken das bewusste um-die-Ecke-denken, unlogisch und unkonventionell. Beim lateralen Denken soll bewusst aus den eigenen Denkmustern ausgebrochen werden, um neue Ideen zu schaffen. Dabei leiten vier Prinzipien: 

  • Vorherrschende Denkmuster erkennen 
  • Bewusst andere Wege suchen, Dinge zu betrachten
  • Aus der Strenge des rational-logischen Denkens ausbrechen 
  • Bewusste Verwendung des Zufalls. 

Besonders wichtig beim lateralen Denken ist dabei, dass nicht jeder Schritt richtig oder logisch sein muss. Das Lösen von Rätseln wie dem obigen kann Ihnen den Einstieg erleichtern und helfen, das laterale Denken zu lernen. Dieses Querdenken, das Denken im größeren Zusammenhang und das Bewusste Verwenden von absurdem, von zufälligem – all das kann Ihnen später helfen, im Berufsalltag kreativer zu sein und aus Ihren gewohnten Denkmustern auszubrechen. Auch Kreativworkshops können mit einer Übung zum lateralen Denken eingeleitet werden, um die grauen Zellen aufzuwärmen.

Ein klassisches Beispiel eines kognitiven Problems, das durch laterales Denken leichter gelöst werden kann, ist das Kerzenproblem. Der Geteste erhält eine Kerze, Streichhölzer, und eine Streichholzschachtel mit Reißnägeln darin. Die Aufgabe besteht darin, die Kerze so an ein Korkbrett an der Wand zu befestigen, dass das Wachs der Kerze nicht auf den Boden tropft. Durch die sogenannte funktionale Fixiertheit werden viele Probanden die Schachtel, in der sich die Reißnägel befinden, lediglich als ein Mittel zur Aufbewahrung selbiger wahrnehmen werden und nicht als eine separate und funktionelle Komponente, die zur Problemlösung herangezogen werden kann. Dadurch kommen sie nicht auf die simpelste Lösung: die Reißnägel aus der Schachtel zu nehmen, in der sie sich befinden, stattdessen die Kerze in die Schachtel zu stellen, die Reißnägel zu verwenden, um die Schachtel am Korkbrett zu fixieren und dann die Kerze mit den Streichhölzern zu entzünden. Wären Sie gut im lateralen Denken, wäre Ihnen diese Lösung sofort in den Sinn gekommen. 

Haben Sie das Rätsel von oben bereits gelöst? Wenn nicht, dann kommt hier die Auflösung:  

Veronika ist im achten Monat mit Tim schwanger. Tim tritt sie von innen heraus.  

Hätten Sie es gewusst? Wenn nicht, gibt es im Internet zahlreiche weitere solcher Rätsel zum Üben:

Karrierebibel.de 

Janko.de

Raetselstunde.de

Umso mehr Rätsel sie üben, desto leichter fällt Ihnen mit der Zeit die Problemlösung durch laterales Denken.

Quelle: Ideenfindung.de

Lesen Sie weiter:

Ideengenerierung aus dem eigenen Unternehmen (1)

Ideengenerierung (2): Innovation Labs