Projektmanagement Leitsätze (Teil 1) – Was wir aus Misserfolgen in Projekten lernen können

Annalena Simonis, Donnerstag, 27. Mai 2021 | Lesedauer: 6 min.

Was tun, wenn etwas mal nicht so klappt wie geplant? Schon vor Ihnen haben sich viele schlaue Köpfe Gedanken über Misserfolg gemacht und entsprechende Leitsätze dafür aufgestellt. Was wir von Murphy, Parkinson und Co. lernen können, erfahren Sie in unserer neuen Blogreihe.

Projekte werden immer komplexer. Das kann zum einen am Projekt selbst liegen, das durch die Vielfalt der enthaltenden Elemente unübersichtlicher wird. Andere Gründe können aber auch die Einflüsse durch das Projektumfeld oder eine hohe Anzahl an Stakeholdern sein. Ein guter Projektmanager weiß, dass einige Entwicklungen nicht in seiner Kontrolle liegen. Es ist die Art und Weise, wie Sie auf diese Situation reagieren, die den Unterschied ausmachen kann. Wenn unerwartete Ereignisse auftreten, ist es natürlich, sich gestresst zu fühlen. Die einzige Möglichkeit, diesen Stress abzubauen, besteht darin, die Situation mit Gelassenheit hinzunehmen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation unter Kontrolle zu halten.

In diesem Artikel stellen wir 8 Gesetze des Scheiterns in Projekten vor. Die prägenden Leitsätze aus Literatur, Wirtschaft und Forschung können Ihnen helfen, in Ihrem Arbeitsalltag positiver mit Situationen umzugehen, in denen nicht alles nach Plan läuft. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die eine oder andere Lehre aus den Gesetzen für Ihre Projekte ziehen können.

 

1. Das Lakeinsche Gesetz: "Wer nicht plant, plant zu scheitern."

Alan Lakein ist ein prägender US-amerikanischer Selbsthilfe-Autor, der sich auf persönliches Zeitmanagement konzentriert. Lakein ist ein Befürworter der Aufteilung der eigenen Aufgaben in Listen mit A-, B- und C-Prioritäten, um die wichtigsten Dinge zuerst zu erledigen. Das Gesetz wurde ursprünglich wie folgt formuliert: "Indem Sie nicht planen, werden Sie sehr wenig, wenn überhaupt, Zeit gewinnen, und indem Sie nicht planen, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit scheitern...". Eine logische Folge ist: Gerade weil uns die Zeit zum Planen fehlt, sollten wir uns die Zeit zum Planen nehmen. Damit vertritt der Autor die Auffassung, dass man gerade zu Projektbeginn nicht einfach drauflosarbeiten sollte und warnt vor einer „Just Do It“ Mentalität. Vor der Projektarbeit steht die Projektplanung, welche immer noch zu häufig als Nichtstun interpretiert wird.

 

2. Murphys Gesetz: "Wenn etwas schief gehen kann, wird es auch schief gehen."

Das wohl berühmteste aller Managementgesetze wird dem amerikanischen Militärpiloten und Raumfahrtingenieur Edward Aloysius Murphy, Jr. zugeschrieben. Ganze Bücher sind der Erklärung dieses Gesetzes gewidmet worden und die Interpretationen dadurch umso zahlreicher. Murphys Gesetz (engl. Murphy’s Law) besagt, dass alles, was schief gehen kann, auch schief geht, außer man will zeigen, dass etwas schief geht. Der Grund für diese Annahme ist die Beobachtung, dass wir durch selektive Wahrnehmung, Erfahrungen und Bewertung die Dinge meist verzerrter und negativer erleben, als sie sind. Infolgedessen entwickelt jeder Mensch eine persönliche Risikotoleranz, mit der ein guter Projektmanager auch in seinem Team rechnen muss. Der Projektleiter muss daran arbeiten, die Toleranzen der Stakeholder mit dem Grad der Unsicherheit zu vereinbaren, der für den erfolgreichen Abschluss des Projekts angemessen ist. Um die unvermeidlichen Rückschläge nach Murphy's Law zu bewältigen, ist eine defensive Planung erforderlich. Es sollte von Anfang an versucht werden, zu identifizieren, was schief gehen könnte, und diese Möglichkeit zu reduzieren oder zu eliminieren. Allein der Prozess der Identifizierung eines Risikos beseitigt dessen schädlichste Eigenschaft, nämlich die der Überraschung.

 

3. Das Constantines Gesetz: "Ein Narr mit einem Werkzeug ist immer noch ein Narr."

Larry Constantine ist ein Software-Ingenieur und Designer, der als Pionier des Structured Design-Ansatzes in der Softwareentwicklung gilt. Eine wichtige Folgerung seines Gesetzes lautet: "Ein Narr mit einem Werkzeug ist ein noch gefährlicherer Narr." Diese Annahme lässt sich vor allem auf die Unterstützung von Projektvorhaben durch Projektmanagement-Software beziehen. Constantine argumentiert, dass ein Tool erst dann seine Wirkung entfaltet, wenn die dahinterstehenden Konzepte und Prozesse vollständig verstanden wurden. Er veranschaulicht seine Regel mit dem Vergleich zu einem Schulkind, das einen Taschenrechner benutzen darf, bevor es die Grundfunktionen ohne Hilfsmittel berechnen konnte. Constantines Gesetz besagt demnach: Erst wenn die Prinzipien des Projektmanagements verstanden sind, können automatisierte Werkzeuge effektiv eingesetzt werden.

 

4. Augustines Gesetz: "Eine schlechte Idee, die bis zur Perfektion ausgeführt wird, ist immer noch eine schlechte Idee."

Norman R. Augustine ist ein ehemaliger Vorsitzender und CEO eines US-Konzerns und Autor von ironischen Beobachtungen über die Wirtschaft und das Leben, einschließlich einer großen Anzahl von "Gesetzen". Sein Leitsatz lautet, dass keine Entscheidung im Projektmanagement so wichtig ist wie die Auswahl der Projekte, die umgesetzt werden sollen. Viel zu oft geht bei der Auswahl der richtigen Projekte jeglicher Sinn für Strategie und Priorisierung verloren. Alle Projekte müssen sorgfältig geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie mit der Strategie der Organisation übereinstimmen und den größten Wert im Vergleich zu anderen potenziellen Projekten bieten. Im weiteren Verlauf des Projekts spielt dann auch die ständige Qualitätskontrolle eine wichtige Bedeutung, denn wenn komplexe Prozesse ohne Qualitätsprüfung bis zum Ende durchgezogen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der gesamte geschaffene Wert verloren geht. Um das Scheitern eines Projekts zu verhindern, ist es wichtig, frühzeitig Kontrollpunkte festzulegen.

Nächste Woche werden wir Ihnen im zweiten Teil dieser Blogreihe weitere vier Leitsätze vorstellen, die Sie auf Ihren Projektalltag anwenden können. 

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