Kurz und knapp: Das ist neu beim Scrum Guide 2020

Annalena Simonis, Donnerstag, 03. Dezember 2020 | Lesedauer: 6 min.

Scrum ist die Methode, wenn es um agiles Projektmanagement geht. Die Erfinder Ken Schwaber und Jeff Sutherland veröffentlichen zum 25. Geburtstag eine Aktualisierung der Anleitung der Managementmethode – dem Scrum Guide. Hier erfahren Sie kurz und knapp was neu ist.

Die Urheber von Scrum, Ken Schwaber und Jeff Sutherland, entwickelten das Konzept in den frühen 1990ern. Im Jahr 2010 veröffentlichten sie den ersten Scrum Guide. Dieser ist eine Art Anleitung für die Methode, mit der Intention Menschen, Teams und Organisationen ein Rahmenwerk zu geben, um komplexe Aufgabenstellungen angehen zu können und Produkte mit dem höchstmöglichen Wert zu erschaffen. Alle Grundlagen zur agilen Methode Scrum lesen Sie in unserem kostenlosen Whitepaper „Scrum Grundlagen einfach erklärt“. Seit der ersten Veröffentlichung ist viel passiert, weshalb die beiden Erfinder auch stetig an Ihrem Konzept feilen und in regelmäßigen Abständen überarbeitete Ausgaben des Scrum Guides veröffentlichen – zuletzt im Jahr 2017. In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen, welche Änderungen in der neuen Version vom November 2020 mit dem Titel “The Definitive Guide to Scrum: The Rules of the Game” vorgenommen wurden.

 

1. Weniger Vorschriften

Die Scrum Academy selbst formuliert die Entwicklung des Scrum Guides in den letzten Jahren als eher streng. Das soll sich nun wieder ändern, indem man sich wieder dem Ursprungkonzept nähert. Die neue Version soll Scrum wieder zu einem minimalistisch formulierten Rahmen machen, der für vielfältige Einsatzbereiche geeignet ist. Aus diesem Grund wurde viel an der vorgeschriebenen Sprache geändert oder entfernt, um so den ursprünglichen Bezug zu Begriffen aus der IT oder Produktentwicklung zu mindern. Beispiele dafür:

  • Daily Scrum Fragen wurden entfernt
  • gelockerte Sprache bei PBI-Attributen, Retro Items und Sprint Backlog
  • Verkürzter Absatz zum Sprint Abbruch
  • uvm.

Durch diesen Schritt lösen Schwaber und Sutherland die Diskussion um die möglichen Einsatzgebiete von Scrum auf und vereinfachen die Anwendbarkeit auch außerhalb der Entwickler-Branche.

 

2. Ein Team, ein Produkt

Bei dieser Änderung wurde vor allem das Konzept des Teams innerhalb des Teams abgeschafft, was bei den Anwendern regelmäßig für Verwirrung gesorgt hat. Die Gefahr, innerhalb des Teams eine gegensätzliche "Wir-gegen-die"-Mentalität zu fördern, wurde als zu riskant erachtet. Ab sofort gibt es nur noch ein Scrum Team, das sich auf ein Ziel konzentriert. Durch die Abschaffung der strikten Rollenverteilung soll es innerhalb des Teams keine formalen Hierarchien mehr geben. Dabei müssen aber immer drei Verantwortlichkeiten oder Accountabilities klar zugeordnet werden: Product Owner, Scrum Master und Entwickler.

 

3. Neu: Das Produktziel

In der aktuellen Überarbeitung des Scrum Guides wird zum ersten Mal das Product Goal oder Produktziel eingeführt. Dies ist eine neue bzw. zusätzliche Zielformulierung für den zukünftigen Zustand des Produkts. Dieses neue Konzept unterstützt Teams dabei sich auf ein größeres und hochwertiges Ziel auszurichten. Mit jedem Sprint soll das Produkt näher an das Gesamtproduktziel herankommen. Zur Unterstützung der Teams bei der Formulierung des Produktziels stellt der Scrum Guide 2020 das Product Goal Canvas als Werkzeug zur Hand.

 

4. Verpflichtungen für Artefakte

Die Scrum Erfinder geben selbst an, dass sie sich in den vergangenen Jahren immer schwer damit getan haben zu erklären, warum beispielsweise die Definition of Done oder das Sprintziel keine Artefakte sind. Um eine bessere Einordnung und ein besseres Verständnis der Rollen zu schaffen, wurde nun der Begriff Commitment oder Verpflichtung eingeführt. Diese drei Verpflichtungen werden jeweils den drei Artefakten zugeteilt:

Artefakt Commitment Anmerkung
Produkt Backlog Produktziel Das neue Produktziel hilft dabei zu bestimmen was in das Produkt Backlog aufgenommen wird.
Sprint Backlog Sprintziel Das Sprintziel hilft bei der Priorisierung und Auswahl der wichtigsten Elemente für das Sprint Backlog.
Inkrement Definition of Done Die Definition of Done dient als Checkliste, ob ein Inkrement erstellt wurde oder nicht.

Durch diese neue Zuordnung entstehen mehr Transparenz und Fokus auf den Fortschritt der einzelnen Artefakte.

 

5. Selbstmanagement statt Selbstorganisation

Frühere Guides definierten Scrum Teams als selbstorganisierend und legten fest, wer und gearbeitet werden soll. In der neuen Version ändert sich auch hier etwas am Terminus. Aus Selbstorganisation wird Selbstmanagement oder Selbstverwaltung. Damit einher geht die neue Verantwortung der Teams für die Ausführung, Überwachung und das Management ihrer eigenen Arbeit. Das selbstverwaltende Scrum Team muss sich allerdings nicht um die den organisatorischen Aufgaben wie die Teamzusammensetzung oder die allgemeine Richtung des Unternehmens kümmern.

 

6. Ein drittes Thema für die Sprintplanung

Neu bei der Sprintplanung ist ab sofort auch eine dritte Frage. Neben den Themen „Was“ und "Wie“ soll nun auch eine kurze „Warum“-Besprechung stattfinden. Dadurch erhält das bisher auch schon vorhandene Sprintziel einen größeren Stellenwert.

 

7. Allgemeine Vereinfachung der Sprache

Wie schon im ersten Punkt dargestellt, war ein großes Ziel der diesjährigen Version, durch eine vereinfachte Sprache ein breites Publikum zu erreichen. Dabei lag der Scherpunkt vor allem darauf, komplexe Aussagen und Formulierungen abzuschwächen, sowie bestehende Begriffe aus dem IT-Bereich auszusortieren. Dadurch erhoffen sich die Urheber von Scrum, das agile Konzept auch weiterhin in Branchen außerhalb der Softwareentwicklung zu etablieren.

 


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