Vom Grundstein bis zur Fertigstellung: Grundlagen und Herausforderungen des Bauprojektmanage­ments

Annalena Simonis, Donnerstag, 14. Januar 2021 | Lesedauer: 6 min.

Projekte in der Bauindustrie zählen zu den komplexesten ihrer Art. Bürokomplex, Flughafen, Einfamilienhaus oder Straßenbau. Was macht diese Großprojekte so besonders und warum scheitern sie so oft? Eine Einführung in eines der ältesten Gewerbe der Welt lesen Sie hier.

Das Bauprojektmanagement gilt als eine der Ursprungsformen des heutigen Projektmanagements. Kein Wunder, denn schon die Ägypter hatten Großes vor. Mit dem Bau Ihrer über hundert Meter hohen Pyramiden legten sie wortwörtlich den Grundstein für die Möglichkeiten des Bauwesens wie wir es heute kennen. Heute fordert der Bau eines neuen Objekts ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen und Fachgebiete. Technisches Fachwissen sowie Kenntnisse über Werkzeuge und Software müssen geschickt miteinander verknüpft werden. Dieser Blogbeitrag gibt Ihnen einen Einblick in die Großprojekte der Bauindustrie. Was unterscheidet sie zu anderen Projekten und warum sind sie häufig schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt?

 

Was ist Bauprojektmanagement?

Beginnen wir mit den Grundlagen. Was zählt eigentlich alles als Bauprojekt? Das Projektmanagement im Bauwesen beschreibt den Planungs- und Arbeitsprozess zum Herstellen oder Verändern eines Bauobjekts. Dazu zählen sämtliche Arbeiten an Anlagen, Gebäuden, Grundstücken und der baulichen Infrastruktur. Bauprojektmanagement findet also immer dann statt, wenn nebenan ein neues Nachbarhaus gebaut wird, die staatliche Schule renoviert oder das Schienennetz ausgebaut wird. Für das Bauprojektmanagement ist die Projektleitung verantwortlich. Anders als früher, als Architekten diese Rolle meist übernommen haben, fordert die inzwischen hohe Komplexität dieser Projekte neben den fachlichen Kenntnissen heute auch ausgeprägte Projektmanagement-Fähigkeiten. In großen Bauprojekten werden die Aufgaben des Projektleiters häufig auf mehrere Personen verteilt. Nicht zu verwechseln ist der Projektleiter mit dem Bauherrn. Hierbei handelt es sich um den Projektauftraggeber, eine rechtlich, finanziell und wirtschaftlich verantwortliche Person, Personengesellschaft oder Behörde. Schlussendlich braucht es für die Fertigstellung eines Gebäudes viele Fachplaner und Fachhandwerker, deren Tätigkeiten eng aufeinander abgestimmt sein müssen.

 

Was macht Bauprojekte besonders?

Bauprojekte sind allein schon wegen ihrer Größe mit vielen Risiken verbunden. Je größer und komplexer ein Vorhaben ist, desto mehr Beteiligte und Wechselbeziehungen gibt es und desto komplizierter wird die Organisation und Planung des Ablaufs. Schon ein einziges Problem, eine Verzögerung oder ein Ausfall, kann an einer anderen Stelle schwere Auswirkungen haben.

Dies führt zu einer weiteren Besonderheit. Bauprojektmanagement ist eine sehr ergebnisorientierte Disziplin. Der Erfolg des Projektes wird lediglich am Ergebnis bemessen. Dieses Ergebnis ist für uns alle erkennbar in unserem Lebensumfeld. Täglich kommen wir mit Projekten dieser Art in Kontakt, weshalb das Bauprojektmanagement auch unter starkem öffentlichem Druck steht. Der Erfolg eines Bauprojekts ist mitunter auch für Laien erkennbar und beeinflusst unser Leben. Auch aus diesem Grund sind Bauprojekte durch Gesetze, Normen und Verordnungen stark reglementiert und müssen in einem besonders starren Projektumfeld bestehen.

 

Neue Herausforderungen für die Bauindustrie

Megatrends gehen auch am Bauwesen nicht spurlos vorbei. So unterliegen auch Projekte im Bau dem Druck der ständig voranschreitenden Digitalisierung. Nicht nur in der Planung und Umsetzung, sondern auch bei den Gebäuden selbst, werden technische Anforderungen immer komplexer. Auch Nachhaltigkeit spielt eine wachsende Rolle. Hierbei dreht sich alles um das Thema Ressourcenschonung. Der Bauprozess und der Betrieb von Gebäuden hinterlassen einen erheblichen ökologischen Fußabdruck. Für eine höhere Umweltverträglichkeit der Branche reicht es also nicht aus, langlebige Bauwerke zu schaffen, sondern auch den Bauprozess nachhaltiger zu gestalten. Glücklicherweise ergänzen sich die beiden Faktoren Digitalisierung und Nachhaltigkeit so, dass sie der Bauindustrie neue Chancen ermöglichen. Durch einen digital unterstützten Planungsprozess können, anders als früher, bessere und nachhaltigere Alternativen für die Bauplanung leichter berechnet und erschlossen werden. Nachhaltiges Bauen mit erhöhter digitaler Unterstützung ist also nicht nur ein Trend, sondern eine richtige Evolution des Bauens.

 

Warum scheitern Bauprojekte?

BER, Elbphilhamonie und Stuttgart 21 - gescheiterte Großbauprojekte stehen in Deutschland stark in der Kritik der Öffentlichkeit. Dabei sind diese kein Einzelfall. Eine Studie aus Oxford aus dem Jahr 2015 beschäftigte sich grundlegend mit der Frage warum Großprojekte scheitern. Die Wissenschaftler untersuchten über 2000 Großprojekte weltweit und kamen zu einem erschütternden Ergebnis: Weniger als 25 Prozent der Projekte sind nach Plan gelaufen. Bei 78 Prozent der Fälle kam es früher oder später zu Problemen. Die Hauptgründe dafür filterte die Studie klar heraus: Die Kosten werden systematisch unterschätzt, der wirtschaftliche Nutzen dagegen deutlich überschätzt. Der Unterschied zwischen tatsächlichen und geschätzten Werten liegt hier teilweise bei bis zu 40 Prozent. Als Folge ging ein Großteil der privat finanzierten Projekte nach der Untersuchung bankrott. Doch wer hat Schuld? Auch hier sind die Erkenntnisse der Wissenschaftler eindeutig. Der entscheidende Fehler liegt am Anfang. Planer denken häufig zu optimistisch bezüglich Kosten und Zeit. Vor allem bei staatlich finanzierten Großprojekten ist der Druck von außen enorm. Daher lassen sich Planer nicht selten zu Versprechungen oder Fehleinschätzungen verleiten, die nicht realitätsnah sind. Abschließend raten die Experten dazu den aufkommenden Optimismus zu Beginn eines solchen großen Bauprojekts durch eine realistische Prüfung auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, um später nicht in Erklärungsnot zu geraten. Denn auch bei Großprojekten gilt: Weniger ist manchmal mehr.

 


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