Modularisierte Megaprojekte: Was wir von Tesla lernen können (Teil 2)

Timo Gerhardt, Freitag, 19. August 2022 | Lesedauer: 7 min.

Die hohe Komplexität bei einer ganzheitlichen Abwicklung eines Großprojekts birgt oft Probleme. Eine Modularisierung als Lösung ist sowohl simpel, als auch genial.

Im ersten Teil unseres zweiteiligen Blogbeitrags haben Sie erfahren, dass eine komplexe Planung und eine Vielzahl von Abhängigkeiten ein Projekt zu einem sehr fragilen Konstrukt machen. Scheitert ein Projekt, scheitert es stets in seiner Gesamtheit. Denn das Projekt bringt lediglich nach einer Vervollständigung einen Mehrwert.

Erfahren Sie hier, im zweiten Teil, inwiefern die Modularisierung eines Projekts bei den genannten Problemen Abhilfe schaffen kann, was man unter positivem und negativem Lernen versteht und welche Relevanz modulares Projektmanagement in der Praxis tatsächlich hat.

Zielführende Simplifikation durch einen modularen Ansatz

Die Planung der Tesla Gigafactory hat sich grundlegend von jener des Berliner Flughafens unterschieden. Das Projekt wurde nicht ganzheitlich unter Rücksicht auf eine Vielzahl projektbedingter Besonderheiten geplant. Viel mehr wurden Modularisierungsmöglichkeiten ausfindig gemacht und die in sich geschlossenen, relativ simplen Module wurden unabhängig voneinander geplant. Eine Aggregation der Module im Nachgang führte letztendlich zum gewünschten Projektergebnis.

Konzeption und Replikation in sich geschlossener Einheiten

Durch ein sinnvolles Unterteilen des Projekts wurde eine zielführende Skalierung projektrelevanter Größen erreicht. Zeitaufwände und Budgetierungen für einige weniger komplexe Einheiten zu erstellen, gestaltet sich deutlich einfacher als Ressourcen und Deadlines für ein gesamtes Megaprojekt festzulegen.

Auch auftretende Risiken beschränken sich vorerst auf ein einzelnes Modul und gefährden nicht den gesamten Projekterfolg. Durch einen weniger komplexen Kontext lassen sich diese auch leichter erfassen und dementsprechend besser kontrollieren. Dies ist ebenfalls von großer Bedeutung bei der Replikation von Modulen. Wird ein bereits umgesetztes Modul im Rahmen desselben oder eines anderen Projektes repliziert, können zuvor aufgetretene Risiken effektiv eliminiert werden. Dies ist bei einer monolithischen Projektplanung durch den hohen Spezialisierungsgrad nicht der Fall.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Gigafactory im Jahre 2016, waren die Bauarbeiten am gesamten Fabrikkomplex bei weitem noch nicht abgeschlossen. Dennoch lief ab diesem Zeitpunkt die Produktion der Batterien bereits auf Hochtouren. Zu verdanken hat Tesla dies auch dem modularen Aufbau des Projekts. Die Einheiten funktionieren unabhängig voneinander. Während die Bauarbeiten bei manchen Modulen noch gar nicht begonnen haben, sind andere bereits fertiggestellt und amortisieren durch ihre vorzeitige Nutzung bereits für den Bau entstandene Investitionen.

Robuste Planung und schnelle Umsetzung

Außerdem sorgt Modularität für eine sehr viel robustere Projektplanung. Durch das Eliminieren einer Vielzahl von Interdependenzen sorgen nachträgliche Anpassungen und Ungereimtheiten nicht zu einer Verzögerung des gesamten Projekts. An vielen Projekteinheiten kann gleichzeitig und voneinander unabhängig weitergearbeitet werden. Dass dies in der Praxis im Hinblick auf die Projektdauer und dementsprechend auch auf das Budget von sehr großer Bedeutung ist, zeigen insbesondere die beiden genannten Beispiele.

Gerade bei sehr umfangreichen Projekten kann eine schnelle Umsetzung für den Erfolg eines Projekts ausschlaggebend sein. Eine große Bedrohung stellen bei Projekten von längerer Dauer gewisse Unsicherheiten dar. Beispielsweise führt die kriegerische Auseinandersetzung in der Ukraine zurzeit zu einem Anstieg von Preisen zahlreicher Güter. Ein Projektmanager hätte dies vor ein bis zwei Jahren in der Projektplanung wohl kaum berücksichtigt, da dies zu diesem Zeitpunkt kaum vorhersehbar war. Mit einer Erweiterung des Zeithorizonts steigt auch die Wahrscheinlichkeit von unvorhersehbaren Ereignissen mit Einfluss auf das Projekt. Es ist also ratsam, die zeitliche Ausdehnung des Projekts möglichst stark zu begrenzen. Modulares Projektmanagement macht dies möglich.

Negatives vs. Positives Lernen im Projekt

Der Umgang sowohl mit positiven, als auch negativen Erfahrungen ist auch im Kontext von Megaprojekten von großer Bedeutung. Ein Lernprozess beim Projektteam ist wichtig und sorgt dafür, dass gewisse Fehler sich nicht wiederholen.

Jedoch können Lernprozesse in manchen Fällen auch einen negativen Einfluss auf das Projekt ausüben. Sogenanntes negatives Lernen findet dann statt, wenn mit zunehmenden Lernfortschritt zusätzliche Probleme auftauchen. Infolgedessen wird der Projektablauf weiter entschleunigt. Dieses Phänomen tritt in erster Linie bei ganzheitlich geplanten Projekten auf. Durch die Komplexität und Vernetzung von Aufgaben kann das Aufdecken und Beheben von Problemen zu weiteren Schwierigkeiten führen.

Ein konstruktiverer Lernansatz zeigt sich hingegen bei einer modularen Projektplanung. Die Lessons Learned, die bei der Abwicklung des ersten Moduls dokumentiert wurden, können problemlos auf weitere Module übertragen werden, um den Ablauf des gesamten Projekts zu optimieren. Der simple, positive Lernprozess zeichnet sich hierbei durch ein wiederholtes Ausführen der gleichen Aktivitäten aus.

Werden bei einem Flughafen beispielsweise die Terminals als replizierbare Module geplant, lassen sich Fehler fortlaufend minimieren. Auch Tesla hat dieses Vorgehen bei der Gigafactory umgesetzt: Verschiedene Produktionseinheiten wurden kontinuierlich repliziert. Und mit zunehmender Wiederholung liefen die Replikationen durch eintretende Lerneffekte immer reibungsloser ab.

Praxisrelevanz von modularem Projektmanagement

Ein modulares Projektmanagement lässt sich nicht gleichermaßen in jedem Projekt umsetzen. Während die monolithische Projektplanung einen Fokus hochspezialisierte Lösungen legt, lebt die modulare Planung von einem gewissen Grad an Standardisierung und Replizierbarkeit.

Man könnte nun behaupten, dass der Berliner Flughafen eine spezialisiertere Lösung benötigt als eine vergleichsweise generische Produktionsstätte von Tesla und aus diesem Grund eine Modularisierung nicht in Frage kommt. Jedoch hat der Bau der Madrider U-Bahn gezeigt, dass eine modulare Herangehensweise auch bei komplexen Megaprojekten in der Verkehrsinfrastruktur zielführend sein kann. Hier hat man es durch eine rationale und schlanke Modularisierungsstrategie erreicht, dass die U-Bahn doppelt so schnell und zu 50% der Kosten fertiggestellt wurde, verglichen mit dem Industriedurchschnitt.

Folglich sollte in jedem Fall Rücksicht auf die Individualität der gewünschten Lösung gelegt werden. Es stellt sich jedoch hierbei nicht die Frage, ob ein Projekt modularisiert werden kann, sondern bis zu welchem Grad es modularisiert werden kann. Während sich relativ generische Projekte tendenziell stärker modularisieren lassen, lassen sich bei einem hohen Individualisierungsgrad wohl nur weniger sinnvoll gestaltete, in sich geschlossene Einheiten bilden.

Es sollte letztendlich bei jedem Projekt überlegt werden, wie grundlegende Module gebildet werden können und inwiefern von der Replizierbarkeit dieser profitiert werden kann. Bei der Gestaltung der Module gilt der Grundsatz: So viel Spezialisierung wie nötig und so viel Standardisierung wie möglich. So können Sie Ihr Projektmanagement mit Hilfe von Modularisierung möglichst effizient gestalten.

 

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