Das Wasserfallmodell: klassisches Projektmanagement einfach erklärt

Timo Gerhardt, Freitag, 12. August 2022 | Lesedauer: 9 min.

Das Wasserfallmodell verkörpert das klassische Projektmanagement. Durch strikt aufeinanderfolgende Phasen bildet sich eine lineare Struktur.

Der Wasserfall als klassische Herangehensweise für Projekte

Im Vorfeld eines Projekts muss stets eine Entscheidung darüber getroffen werden, welche Methode für den konkreten Fall am passendsten ist. Hierbei hat der Projektmanager die Qual der Wahl. Einige der gängigsten Verfahrensweisen sind beispielsweise die Critical-Path-Methode, Kanban, Scrum oder Scrumban, welche Elemente der beiden zuvor genannten Methoden vereint. Diese Ansätze fallen allesamt in die Kategorie der agilen Methoden.

Dem gegenüber stehen die klassischen Methoden. Diese definieren sich über einen ganzheitlichen Ansatz. Das bedeutet, dass zu Beginn des Projekts ein konkreter Endzustand definiert wird, den es im Laufe des Projekts zu erreichen gilt. Eines der bekanntesten Konzepte in diesem Zusammenhang ist das Wasserfallmodell.

Die meisten Personen, die in irgendeiner Form bereits an einem Projekt beteiligt waren, haben wohl von dieser Methode, die als eine der etabliertesten gilt, gehört. Um zu zeigen, was sich hinter diesem verbreiteten Konzept verbirgt, stellen wir Ihnen im folgenden Artikel die Wasserfallmethode vor. Wir erläutern außerdem, wie Sie diese Verfahrensweise gewinnbringend für Ihre Projekte einsetzen können.  Die Projektmanagement-Lösung von InLoox kann hierbei einen zusätzlichen Mehrwert generieren.

Inhalt

Definition: Was ist ein Wasserfallmodell?

Die Wasserfallmethode ist ein lineares Modell. Es setzt sich aus verschiedenen Phasen zusammen. Erst wenn eine Phase vollständig abgeschlossen ist, wird in die nächste übergegangen. Da es sich um eine klassische Methode handelt, werden vor Projektbeginn die notwendigen Informationen aller Anspruchsgruppen gesammelt. Infolgedessen werden die verschiedenen Interessen in einem gemeinsamen Ziel vereint. Basierend darauf wird ein sequentieller Projektplan entworfen.

Es wird genau definiert, welche Arbeitsschritte welche Phase beinhaltet, auch exakte Start- und Endpunkte werden festgelegt. Dies hat zur Folge, dass Fehler in der Umsetzung weitestgehend minimiert werden. Aufgrund der hohen Effizienz, der Strukturiertheit und schließlich der präzisen Arbeitsweise erfreut sich die Wasserfallmethode auch in einer Zeit, in der agiles Projektmanagement in aller Munde ist, noch großer Beliebtheit.

Die 6 Phasen: Wie funktioniert der Wasserfall?

Der sequentielle Projektplan besteht in der Regel aus 6 Phasen, welche in folgender Graphik abgebildet sind. Der Fortschritt fließt hier lediglich in eine Richtung, wie bei einem echten Wasserfall.

In den ersten beiden Phasen werden die Anforderungen an das Projekt definiert und analysiert. Es soll hierbei umfassend ermittelt werden, was in diesem Projekt erreicht werden soll. Je genauer die Anforderungen an das Projektergebnis im Projektplan festgehalten werden, desto höher ist schließlich die Erfolgswahrscheinlichkeit. Die ersten Schritte sind somit bereits maßgeblich dafür, ob das Projekt ein Erfolg wird oder letztendlich droht, zu scheitern.

Anschließend werden in der Entwurfsphase die Anforderungen in Spezifikationen umgesetzt, welche folglich zu einem ersten Entwurf aggregiert werden.

In der darauffolgenden Konstruktionsphase wird auf Basis des Entwurfs ein erster Prototyp erschaffen.

Anschließend wird dieser Prototyp zum ersten Mal getestet und es wird überprüft, ob das neu entwickelte Konzept den Anforderungen entspricht.

Letzten Endes wird das Ergebnis des Projekts nach dem Abschluss aller Tests an den Kunden ausgeliefert und in Betrieb genommen. Obwohl in dieser Phase noch weiter optimiert und aktualisiert werden kann, bildet sie den Abschluss der Wasserfall-Methodik.

Der Top-Down-Ansatz

Eine Schlüsseleigenschaft der Wasserfallmethode ist das Vorgehen nach dem Top-Down-Prinzip. Dieses manifestiert sich in einer strikt linearen Verfahrensweise. Das bedeutet, dass erst nach vollständiger Beendigung einer Phase die nächste Phase begonnen wird. Da es sich um ein dokumentengetriebenes Modell handelt, wird nach jeder Phase ein entsprechender und möglichst für alle Projektbeteiligten einsehbarer Bericht erstellt, der wesentliche Aspekte wie Fortschritte oder Probleme detailliert festhält.

Welche Vorteile und Nachteile hat das Wasserfallmodell?

Vorteile

  • Hohe Planungssicherheit
  • Leichte Verständlichkeit
  • Klare Termin- und Kostenvorgaben durchsetzbar
  • Nachvollziehbarer Projektfortschritt
  • Einfache Planung, Kontrolle und Dokumentation

Nachteile

  • Späte Fehlererkennung, da die Testphase erst am Ende der Entwicklung stattfindet
  • Mangelnde Flexibilität durch starre Planung
  • Fehlen von Feedbackschleifen
  • Nicht universell anwendbar

Anwendung in der Praxis

Die Wasserfallmethode findet in der Praxis vor allem Anwendung in Bereichen mit relativ stabilen Umweltbedingungen. Sind kurzfristige projektrelevante Änderungen, beispielsweise auf Märkten, in der Politik oder im Hinblick auf technische Entwicklungen, größtenteils ausgeschlossen, ist diese Methode sehr passend. Somit kann nämlich vermieden werden, dass das Projekt im Nachhinein modifiziert werden muss. Dies setzt eine Flexibilität voraus, die diese Verfahrensweise nicht bieten kann.

Ursprünglich wurde die Methode für Bau- und Produktionsprozesse entwickelt. In diesem Bereich findet das Wasserfallmodell auch noch heute Anwendung. Derartige Projekte sind von einem hohen Strukturierungsgrad und konstanten Anforderungen geprägt. Die beschriebenen Arbeitsschritte können zumeist strikt in der vorgegebenen Reihenfolge durchgeführt werden. Bei generischen Bau- und Produktionsprozessen kommt hinzu, dass Umweltbedingungen, abgesehen von der Volatilität von Materialkosten, oft nur von sekundärer Bedeutung sind und das vereinbarte Ziel stets eindeutig ist.

Einer großen Beliebtheit erfreut sich diese Methode ebenfalls in der IT-Branche, vor allem im Bereich der Softwareentwicklung. Gerade bei kleinen, simplen und klar strukturierten Software-Projekten gilt das Wasserfallmodell aufgrund seiner Einfachheit und Geradlinigkeit als erfolgsversprechend.

Grundsätzlich ist die Methodik in nahezu jedem Bereich für Projekte anwendbar und zielführend, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind: Das Projekt sollte in seiner Gesamtheit detailliert planbar sein und eine lineare Abarbeitung ermöglichen. Auch sollte von Beginn an die gemeinsame Zielvorstellung deutlich sein und somit ebenfalls die Anforderungen und Spezifikationen. Feste Strukturen, traditionelle Entscheidungswege und eine geringe Wahrscheinlichkeit für Anpassungen, die im Nachgang nötig werden, begünstigen den Einsatz dieser Projektmanagement-Methodik zusätzlich.

Das erweiterte Wasserfallmodell

Das Wasserfallmodell lässt sich grundsätzlich durch das Ermöglichen von Rücksprüngen im Projektablauf erweitern. Dadurch, dass die Methode folglich nicht mehr streng sequentiell ist, wird eine höhere Flexibilität ermöglicht. So ist es beispielsweise einfacher, Änderungen im Nachgang in das Projekt zu implementieren. Zudem erlauben es Iterationen, später festgestellte Fehler direkt in der Phase der Entstehung zu beheben. So werden im Rahmen der Problemlösung nicht nur Symptome bekämpft. Stattdessen wird das Problem in seinem Ursprung behoben.

Da eine starre und lineare Vorgehensweise den Anforderungen einer immer schnelllebigeren Welt kaum mehr entspricht, erscheint das erweiterte Wasserfallmodell in dem meisten Fällen sinnvoller. Es vereint die Vorzüge des klassischen Modells mit einer höheren Flexibilität.

Die Wasserfallmethode vs. Agiles Projektmanagement

Das Wasserfallmodell zählt, wie bereits erwähnt, zu den klassischen Methoden des Projektmanagements. Dem gegenüber steht eine Vielzahl von agilen Methoden, die sich im Projektalltag immer größerer Beliebtheit erfreuen. Scrum, Kanban und Co. zeichnen sich im Gegensatz zu den klassischen Methoden durch einen grundlegenden Flexibilitäts- und Anpassungsgedanken aus. Zwei Eigenschaften sind für ein agiles Projektmanagement von zentraler Bedeutung: Einerseits ist das Vorgehen stets inkrementell. Das bedeutet, dass während des Entwicklungsprozesses separate und voll funktionsfähige Einzelteile kreiert und später zu einem Gesamtergebnis aggregiert werden. Andererseits ist Iterativität, also eine Implementierung von Feedback- und Wiederholungsschleifen, von großer Bedeutung. Auf diese Weise wird sich kontinuierlich einer optimalen Lösung angenähert.

Eine für alle Projekte optimale Lösung gibt es in diesem Fall nicht. Zwar ist agiles Arbeiten in aller Munde, während die klassischen Methoden oft als veraltet abgetan werden und an Bedeutung verlieren. Um ein Projekt jedoch bestmöglich abzuwickeln, ist es unvermeidbar, die Projektbedingungen zu evaluieren und sich auf Basis dessen für eine exakt passende Methode zu entscheiden. So kann es beispielsweise der Fall sein, dass sich für den Bau eines Fertighauses eine klassische Lösung anbietet, während in der Automobilentwicklung die Vorteile eines agilen Ansatzes zum Tragen kommen.

Unabhängig davon, welche Art von Projekten Ihnen bevorstehen und welche Methoden Sie hierfür anwenden: Von einer Projektmanagement-Software, die Ihren Bedürfnissen entspricht, wird Ihr Projekt definitiv profitieren. Finden Sie heraus, welche Vorzüge Sie mit der Projektmanagement-Lösung von InLoox genießen und welcher Mehrwert für Ihr Projekt entsteht.

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