Anwendung der Critical-Chain-Methode

Ursprünge der Methode

Die Critical-Chain-Methode ist eine Weiterentwicklung des kritischen Pfades und wurde 1997 von E. Goldratt entwickelt. Der kritische Pfad eines Projektes bezeichnet in einem Projektplan die längste Kette von Vorgängen und Meilensteinen, bei denen es keine zeitlichen Puffer gibt. Dabei erfolgt keine Berücksichtigung der Ressourcen.

Grundidee und Prinzipien

Die Critical-Chain-Methode ist ein Ansatz aus dem Multiprojekt-Management, der eine Steigerung der Termintreue auf 95% und eine Reduktion der Projektlaufzeiten um 25% verspricht. Mit Hilfe dieser Methode wird versucht, die Belastung der Ressourcen durch mehrere Projekte zu minimieren und die Arbeitseffektivität im Multiprojekt-Management zu steigern. Kurz zur Definition der kritischen Kette:

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Die kritische Kette ist die längste Kette von Aufgaben, unter Berücksichtigung von begrenzten Ressourcen. Nach dem letzten Bearbeitungsschritt steht der Gesamtpuffer für das Projekt.

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Buffering

Für die Projektplanung mit der Critical-Chain-Methode weisen Sie den einzelnen Vorgängen im Projektplan keine Pufferzeiten zu, sondern addieren die zeitlichen Puffer jedes Elements zu einem Gesamtpuffer. Dieser Puffer wird an das Projektende angehängt. Dadurch gleichen Sie Verfrühungen und Verspätungen im Verlauf des Projektes aus und der summierte Sicherheitspuffer steht dem gesamten Projekt zur Verfügung.

Projektstaffelung

Kurz vor Abschluss einer Aufgabe kündigt jeder Mitarbeiter dies an. Damit können aufeinanderfolgende Aufgaben und Vorgänge nach dem Staffellauf-Prinzip abgearbeitet und Stillstand vermieden werden. Zudem basiert die Critical-Chain-Methode auf der Ansicht, dass der Mensch nicht multitaskingfähig ist. Dadurch kommt es zur sogenannten Projektstaffelung, d.h. Mitarbeiter sollen sich voll und ganz einer Aufgabe widmen und erst nach deren Erledigung die Nächste übernehmen.

Voraussetzungen

1. Um die Critical-Chain-Methode erfolgreich anzuwenden, sollten die Team-Mitglieder lediglich eine Aufgabe (Arbeitspaket) im Projekt bearbeiten. Hierbei ist 100%-ige Konzentration erforderlich, bevor die nächste Aufgabe übernommen wird. Mit diesem System vermeiden Sie Leerlaufzeiten und die Mitarbeiter erledigen alle Aufgaben insgesamt effektiv schneller.

2. Eine weitere Voraussetzung ist die Priorisierung der Aufgaben, denn nur so können die Teammitglieder diese nacheinander abarbeiten.

Vorgehensweise

Beim Projektmanagement nach der Critical-Chain-Methode hat immer jenes Projekt Vorrang, bei dem das Verhältnis von Projektfortschritt (auf der kritischen Kette) zu Pufferverbrauch am schlechtesten ist. Darauf basierend weisen Sie dem Vorgang mit dem kleinsten Quotienten aus Fortschritt und Pufferverbrauch entsprechend mehr Ressourcen zu. Diesen Quotienten bzw. Index nutzen Sie während der gesamten Projektdauer, um zu überprüfen, ob das Projekt in Schwierigkeiten ist. Anschließend entwickeln sie ggf. präventive bzw. reaktive Maßnahmen.

Zur Anwendung der Methode orientieren Sie sich an den folgenden Schritten:

  1. Überprüfung und Erfüllung der Voraussetzungen
  2. Identifikation der kritischen Kette in jedem Projekt
  3. Reorganisation der Puffer: Bündelung am Projektende zur Gewährleistung des Endtermins
  4. Überprüfung des Fortschritts im Vergleich zum Pufferverbrauch insgesamt (siehe Grafik):
  • Fortschritt größer als Pufferverbrauch: Projekt „on track“ (grün)
  • Fortschritt gleich Pufferverbrauch: Projekt kann ggf. in Schieflage geraten: präventive Maßnahmen (gelb)
  • Fortschritt kleiner als Pufferverbrauch: Projekt ist in Schieflage: reaktive Maßnahmen (rot)

  

Überprüfung des Fortschritts im Vergleich zum Pufferverbrauch insgesamt