Mit Storytelling zur optimalen Teammotivation

Flachere, offenere Hierarchie-Strukturen und agile Zusammenarbeit bestimmen zunehmend den Projektalltag. Das bedeutet auch, dass emotionaler und motivierender kommuniziert werden muss. Um Mitarbeiter zu motivieren und während des oft langwierigen Projektverlaufs motiviert zu halten, hilft Ihnen die Storytelling-Methode. 

Was ist Storytelling und wozu brauche ich es in meinem Projekt? 

Storytelling bedeutet ganz einfach das Erzählen einer Geschichte. Im Marketing gehört Storytelling bereits zum kleinen 1x1, da eine Geschichte (wenn sie gewisse Bedingungen erfüllt) Menschen emotional berührt und sie sich Informationen dadurch besser einprägen. Im Projektmanagement bedeutet das konkret, dass Sie Projekte in mitarbeiternahe Geschichten einbinden und Projektmitglieder so persönlich abholen und motivieren. Außerdem werden Schlüsselinformationen leichter behalten, wenn Sie in einer Geschichte visualisiert sind.  

Kurz: Was motiviert Sie mehr: Quest 3 – ‚das Füllhorn‘ im Projekt „Hungerspiele“ zu absolvieren oder die Aufgabe „Budgetverhandlung“ im Projekt „Finanzen 2019“ abzuschließen?  

Was merken Sie sich leichter: „Während des Vortrags auf einem Event sollen von drei Vortragenden 162 Leads generiert werden, von welchen sich 20% innerhalb von sechs Monaten nach dem Event zum Kauf des Produktes entschließen“ oder „Mario, Luigi und Peach müssen auf ihrer Mission 162 Münzen einsammeln, unter denen 20% Doppelmünzen sind“.

Was ist für eine Story wichtig? 

Wie bereits erwähnt, muss eine Geschichte gewisse Bedingungen erfüllen, um tatsächlich Nutzen zu bringen. Erfüllt eine Geschichte diese nicht, kann sie schnell zum Misserfolg des Projekts führen.  

Das Grundgerüst einer jeden Geschichte bilden ein oder mehrere Protagonisten, die ein Ziel verfolgen. Außerdem sollte sie die vier Prinzipien des Storytellings nach Fordon berücksichtigen: Authentizität, Archetypus, Sinnlichkeit, Relevanz. 

Die Geschichte sollte also authentisch sein, sprich zu Ihrem Unternehmen, den Mitarbeitern und den Stakeholdern passen. Die Relevanz der Geschichte sollte klar ersichtlich sein, wobei sie auf ein bekanntes Erzählmuster – z.B. ‚Mädchen trifft Junge‘ – zurückgreifen sollte. Das könnte eben auch die Handlung eines Films oder eines Videospiels sein. Letztlich muss sich die Bildhaftigkeit (von begleitendem Bild- und Videomaterial) erschließen – das passiert in unserem Beispiel mit den Tributen von Panem automatisch. 

Fühlen sich meine Stakeholder nicht auf den Arm genommen wenn ich ihnen mit komischen Geschichten komme? 

Ja, offenes Storytelling, eingeleitet womöglich noch mit den Worten: „Ich erzähle Ihnen eine Geschichte“, kann zu Irritation bei manchen Kunden und anderen Stakeholdern führen. Wenn Sie sich unsicher sind, wie Ihre Stakeholder auf Ihr Storytelling reagieren, vermeiden Sie solche einleitenden Worte und nehmen Sie keine aktive Erzählerrolle ein. Beginnen Sie zunächst mit kurzen Vergleichen und setzen Sie Ihrem Stakeholder so ganz nebenbei ein Bild in den Kopf: „Ich muss da immer an … denken“ kann ein effektiver Weg sein, das zu erreichen. Visualisieren Sie auf dieser Basis zusammen mit dem Stakeholder eine Geschichte. So überzeugen Sie Stakeholder auf emotionaler Basis, ohne dass sie es mitbekommen. 

Die Vermarktung der Storytelling-Methode 

Oft reicht eine Geschichte allein nicht aus, um die nötige Motivation zu schaffen – es kommt auch auf die richtige Vermarktung der Storytelling-Methode an. Der Grundstein ist, dass Sie als Projektleiter hinter der Methode stehen und das auch nach außen tragen. Jetzt müssen Sie Ihre Mitarbeiter neugierig machen. Denken Sie sich vor dem Kick-Off-Meeting zunächst einen Charakter (Protagonisten) für Ihre Geschichte aus. Vor dem Kick-Off-Meeting erstellen Sie ein neues Projekt mit Ihrem Protagonisten als Projektbild, lassen Ihre Teammitglieder aber noch nichts Genaueres wissen. Auch den Termin stellen Sie am besten nur mit Titelbild ein. Das Kick-Off-Meeting beginnt also schon mit einer gewissen Grundspannung, um was es sich genau handeln wird.  

Stellen Sie dann das Projekt in Grundzügen vor und lassen Sie Ihre Mitarbeiter als kreativen Einstieg  am besten selbst eine Geschichte um den ausgewählten Charakter herum entwickeln. Sind die Mitarbeiter diese Vorgehensweise erstmal gewohnt, sprießen schon Ideen für Geschichten, bevor Ihr Projekt überhaupt vorgestellt ist. Mit einer selbst entwickelten Geschichte, in die die Mitarbeiter persönlich eingebunden sind, ist für eine positive Grundstimmung über den Projektverlauf hin gesorgt.  

Warum versuchen Sie nicht zum Beispiel, Ihr nächstes Projekt als Videospiel aufzuziehen und verpacken die Aufgaben als einzelne Quests? Der Projektabschluss wäre dann der Endgegner, den es zu besiegen gilt. Oder gibt das Projekt Anlass dazu, die Handlung eines Films nachzuspielen? Gibt es Lieblingscharaktere Ihrer Mitarbeiter, um die man spannende neue Geschichten entwickeln könnte? Oder wollen Sie Ihre Stakeholder gewissen Charakteren zuweisen? Mit jedem neuen Projekt entwickelt sich damit aus der Zusammenstellung der einzelnen Charaktere eine neue Geschichte. Was passiert zum Beispiel, wenn der Grinch, Mary Poppins und Captain Jack Sparrow aus Fluch der Karibik aufeinandertreffen? Oder stellen Sie sich vor, dass Max & Moritz, Mario & Luigi und Harry Potter sich begegnen und um Ressourcen kämpfen. Hören Sie Ihren Mitarbeitern in jedem Fall gut zu, oft ergeben sich in einem Meeting mehrere Ideen für neue Geschichten.