Transaktional vs. Transformational (Teil 2): Führung in der Praxis

Timo Gerhardt, Montag, 27. Juni 2022 | Lesedauer: 5 min.

Im ersten Blog-Artikel zu transaktionaler und zu transformationaler Führung haben wir uns mit den Besonderheiten der beiden Führungsstile befasst und aufgezeigt, inwiefern sich diese unterscheiden. Im zweiten Teil erläutern wir schließlich, welche Praxisrelevanz die beiden Stile haben. Erfahren Sie, in welchen Situationen der transaktionale Führungsstil sinnvoller ist und wo eine transformationale Vorgehensweise Sie schneller an Ihr Ziel bringt. Im Folgenden sehen Sie nochmals im Überblick, wodurch sich die beiden Stile im Kern auszeichnen:

Transaktionaler Führungsstil Transformationaler Führungsstil
Leistungsorientierte Belohnung Fokus auf intrinsischer Belohnung
Führung durch aktive Kontrolle Passive Führung mittels Vision & Mission
Führung durch Eingreifen im Bedarfsfall Eingreifen mittels ständigen Hinterfragens des Status Quo

In der Praxis bedienen sich Führungskräfte an beiden Stilen und adaptieren die Methoden für ihre Teams oder ihr Unternehmen. Die Übergänge sind fließend und das optimale Führungsverhalten kann je nach Branche, Projekt oder Unternehmensziel stark variieren. Im Unternehmensalltag lässt sich Führung also nicht so einfach kategorisieren. Dennoch lohnt es sich in vielen Situationen, sich bewusst für eine der beiden Optionen zu entscheiden, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Welcher Ansatz sinnvoller ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Projektsteuerung: Vorteile der transaktionalen Führung

Ist der Projekterfolg gefährdet, so empfiehlt es sich für die Führungskraft, aktiv einzugreifen und aufgabenorientiert vorzugehen. Eine solche Situation kann entstehen, wenn sich der Projektplan während der Durchführung als fehlerhaft herausstellt. Befindet sich das Team beispielsweise in starkem Zeitverzug oder droht eine Budgetüberschreitung, so sollte der Projektleiter transaktional vorgehen. Um ein Scheitern des Projekts noch abzuwenden, muss eine klar strukturierte und durchdachte Erledigung der Aufgaben sichergestellt werden. Vorzüge einer transformationalen Führung, wie das Erzeugen einer intrinsischen Motivation, sind in diesem Kontext eher zweitrangig.

Dieser Ansatz kann auch in der gegenteiligen Situation Sinn machen. Wenn alle teambezogenen, projektrelevanten und umweltbezogenen Faktoren das Projekt begünstigen, sollte ebenfalls ein transaktionales Vorgehen gewählt werden. Da optimale Rahmenbedingungen für das Projekt bereits gegeben sind, sollte der Fokus nun auf die effizienteste und effektivste Abarbeitung der Aufgaben gelegt werden. So kann in kürzester Zeit ein optimales Projektergebnis erzielt werden.

Motivation und Innovation: Vorteile der transformationalen Führung

Befindet sich das Projekt im Plan, so kann die Projektsteuerung transformational gehandhabt werden, um die allgemeine Motivation und Unternehmensbindung zu stärken. Da keine strikte Aufgabenorientierung benötigt wird, um ein Scheitern des Projekts abzuwenden, kann sich die Projektleitung auf die Optimierung konzentrieren: Personen mit individuellen Stärken beispielsweise in der Kommunikation, Ideenentwicklung oder der Identifizierung von Synergien können über den Projektkontext hinaus gefördert werden. Das kommt der Weiterentwicklung der Mitarbeitenden im Einzelnen und dem Unternehmen im Allgemeinen zugute.

Transformationale Führung ist dann besonders sinnvoll, wenn im Projekt ein Fokus auf Innovation und Kreativität gelegt wird. Beides wird durch einen transformationalen Stil aktiv gefördert, indem ein emotionaler Bezug zum Projektziel hergestellt wird. Eine transformationale Führungsperson regt die Mitarbeitenden dazu an, den Status Quo kontinuierlich in Frage zu stellen um auf kreativen, neuen Wegen Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse zu entwickeln und zu verbessern. Die Freiheiten, die durch den transformationalen Führungsstil gegeben sind, beflügeln im Idealfall jeden einzelnen und brechen alte Denk- und Handlungsmuster auf. Sind die Herausforderungen eines Projekts hingegen eher rationaler Natur, so macht ein transaktionaler Ansatz oft mehr Sinn. Wenn das Ziel des Projekts beispielsweise eine Optimierung interner Produktionsprozesse ist, sind ein analytischer Blick und eine zielführende Aufgabenstrukturierung aufgrund der hohen Komplexität von großer Bedeutung.

Auch der zeitliche Horizont des Projektteams spielt für den Führungsstil eine Rolle. Bei langfristig ausgelegten Teams sollte der Projektleiter transformationale Elemente in seinem Führungsstil berücksichtigen. So wird durch Zusammenhalt und zwischenmenschliche Beziehungen eine langfristig effektive Kooperation ermöglicht. Bei einmaligen Projektteams ist jedoch ein transaktionaler Stil meist die effizientere Herangehensweise.

Letztendlich sollten Sie sich also nicht für einen der beiden Führungsstile entscheiden, um ein bestmöglicher Projektleiter zu sein. Stattdessen sollten Sie stets die vorliegende Führungssituation analysieren und anschließend überlegen, inwiefern welcher Führungsstil angemessen ist. Durch diese Art von situativer Führung erzielen Sie stets das bestmögliche Ergebnis.

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