Andere Länder, andere Sitten: Interkulturelle Kompetenz im PM

Dies eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten für Betriebe und Projektmanager, kulturelle Unterschiede können aber auch gewisse Schwierigkeiten innerhalb des Teams mit sich bringen. Doch die gute Nachricht ist: Interkulturelle Kompetenz kann man lernen und diese Herausforderungen können mit dem nötigen Hintergrundwissen überwunden werden.

Vorteile internationaler Projekte

Multikulturelle Projektteams können wesentlich zum Erfolg eines Projekts beitragen. Sie sind facettenreich, bieten einen interessanten Mix an unterschiedlichen Fähigkeiten und ermöglichen den Projektzugang aus neuen Perspektiven. All dies kann sich nicht nur auf das Projekt positiv auswirken, sondern auch auf das gesamte Unternehmen, indem der Erfahrungsschatz erweitert und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden.

Die Bedeutung interkultureller Kompetenz im PM

Die Fähigkeit der interkulturellen Kompetenz bedeutet, angemessen mit Personen anderer Kulturen interagieren zu können. Die Grundlage dafür bilden die Anerkennung und der Respekt gegenüber fremden Kulturen. Dazu gehört auch, das eigene Verhalten an die Kultur des Anderen anzupassen, um dem Gegenüber entgegenzukommen. In funktionierenden interkulturellen Teams versuchen jedoch immer alle Seiten, sich auf die Perspektive des jeweils anderen einzulassen. Dies stärkt auch den Teamzusammenhalt.

Die Auswirkungen kultureller Unterschiede im PM

Die Variable „Kultur“ kann alle drei Parameter eines Projekts beeinflussen: Kosten, Leistung und Zeit. Dies wiederum wirkt sich auf den Projekterfolg aus.

Während in westlichen Kulturen der Spruch “Zeit ist Geld” gelten mag, so gibt es auch Kulturen, in denen Geld einen anderen Stellenwert einnimmt. Das Einhalten eines festgelegten Budgets kann also sehr unterschiedlich betrachtet werden, von zwingend bis wahlweise. Dasselbe gilt für die Auffassung von Zeit: Je nach Kultur steht ein Projektplan zwischen klaren Vorgaben und bloßen Richtlinien. Doch auch die Haltung bezüglich Routineereignissen wie Meetings kann davon betroffen sein. Gilt es, zur Sitzung um 15:00 Uhr pünktlich zu kommen, oder wird das Ganze lockerer angegangen und beginnt nach einer Kaffeepause erst eine Viertelstunde später?

Zu guter Letzt ist ein Projekt immer durch bestimmte Ziele definiert. Obwohl Kommunikation in Projekten generell als wichtig gilt, ist deren Bedeutung in interkulturellen Teams noch höher. Der Sinngehalt bestimmter nonverbaler Hinweise und landestypischer Formulierungen kann dem Rest des Teams manchmal verwehrt sein, und Missverständnisse treten auf.

Anforderungen an den Projektmanager

Eine Schlüsselkompetenz, die Projektmanager in interkulturellen Projekten brauchen, ist Flexibilität, um sich den unterschiedlichen kulturellen Anforderungen anpassen zu können. Die Interaktion mit den Teammitgliedern spielt hierbei eine wichtige Rolle, um kulturelle Unterschiede zu erkennen und diese verstehen zu können.

Auch im Hinblick auf den Führungsstil ist Offenheit von Bedeutung. Je nach Kultur stellen Teammitglieder unterschiedliche Anforderungen an den Projektmanager, der diese Ansprüche dann unter einen Hut bringen muss. Zudem muss dieser versuchen, unterschiedliche Werte und Normen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und dabei möglichst allen Mitgliedern gerecht zu werden. Geht es zum Beispiel um Konflikte, so ist der direkte Weg nicht immer der beste; in manchen Kulturen ist sogar das Gegenteil der Fall.

Wenn Sie sich mit der Sprache der neuen Kultur vertraut machen, so ist dies meist der effektivste Weg, um Einblicke in die kulturellen Besonderheiten zu bekommen – auch wenn Englisch mittlerweile als Standardanforderung angesehen wird. Ferner gilt es, zwischen den Zeilen zu lesen, denn nicht immer bedeutet das, was gesagt wurde auch das Gemeinte. In China beispielsweise wird „ja“ oft auch als Zeichen des Zuhörens aufgefasst und nicht als Zustimmung.

Fazit

Wenn Sie internationale Projekte leiten und ihr Team aus Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen besteht, so sind interkulturelle Kompetenzen unabdingbar, um das Aufkommen von Missverständnissen zu vermeiden.

(Text von Linh Tran, übersetzt von Klara Obermair)