Ist der Chef schuld am Burnout?

Warum initiiert ein Softwarehersteller wie InLoox eigentlich eine Studie zur Work-Life-Balance? Diese Frage wurde uns im Zuge der Studie öfter gestellt. Die Themen Projektmanagement und Stressmanagement sind eng miteinander verschränkt, denn Projekte können – wie jeder Projektmanager bestätigen wird – richtig stressig werden. Enge Zeitpläne, häufige Änderungswünsche und immer zu knappe Ressourcen lassen den Stresspegel der Verantwortlichen steigen. Hinzu kommt für viele Teammitglieder noch die Doppelbelastung aus Projekt und Abteilung.

Und doch sind Projekte die Maschine, die unsere Wirtschaft antreibt. Da sollte es doch möglich sein, fokussiert am Projekterfolg zu arbeiten ohne in krankmachenden Stress zu verfallen. Doch welche Stellschrauben müssen gedreht werden, damit das möglich wird? Diese Frage war für uns Motivation genug, die InLoox Work-Life-Balance-Studie ins Leben zu rufen.

Auch die Gespräche auf zahlreichen PM Camps haben uns dazu inspiriert, verstärkt über die sozialen Aspekte des Projektmanagements nachzudenken: Zusammenarbeit auf Augenhöhe war dabei eines der bestimmenden Themen im vergangenen Jahr.

Die InLoox Work-Life-Balance-Studie 2015

Folgende Befunde fanden wir besonders spannend:

  • Studienteilnehmer ohne Vorgesetzten über sich (Führungskräfte oder Selbstständige) sind zufriedener mit ihrer Arbeitssituation als Teilnehmer, die unter Vorgesetzten arbeiten.
  • Vorgesetzte sind zufriedener mit ihrer eigenen Leistung als Angestellte, sie fühlen sich z.B. produktiver, haben nicht so hohe Erwartungen an sich selbst und glauben, viele lohnende Ziele bei ihrer Arbeit erreicht zu haben.

WLB-Diagramm: Vorgesetzte sind zufriedener

Mehr Verantwortung bedeutet außerdem nicht zwingend mehr (gefühlten) Stress im Berufsalltag. Die gefühlte Arbeitsbelastung ist gerade auf Seiten der Mitarbeiter hoch:

  • Nur jeder zweite Mitarbeiter hat das Gefühl, ausreichend Zeit für alle wichtigen Aufgaben zu haben.
  • 60% der Befragten verbringen zwischen 1,5 und 2,5 Stunden pro Tag damit, E-Mails zu bearbeiten
  • Nur 5% der Befragten können sich auf nur ein Projekt konzentrieren.
  • Jeder 5. befragte Mitarbeiter gab an, sich bereits erschöpft zu fühlen, bevor der Arbeitstag überhaupt beginnt. Nur 3% der Vorgesetzten haben dieses Gefühl.
  • 19% der Mitarbeiter und 12% der Vorgesetzten haben Angst, irgendwann einen Burnout zu erleiden.

WLB-Diagramm: Vorgesetzte sind weniger unter Zeitdruck

Eines legen die Studienergebnisse nahe: Mangelt es an Wertschätzung für die geleistete Arbeit, steigt das subjektive Stressempfinden. Vor allem auf das Privatleben hat die fehlende Anerkennung negative Auswirkungen: Die große Mehrheit (80 %) derjenigen, die keine Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren, gibt an, dass ihr Beruf negative Auswirkungen auf ihr Privatleben hat. Fühlt man sich wertgeschätzt, liegt dieser Wert deutlich niedriger: rund 50 Prozent sehen negative Auswirkungen.

Und – ist der Chef nun schuld?

Selbst der Chef zu sein ist also laut den Ergebnissen unserer Studie ein positiver Einflussfaktor auf die Zufriedenheit und die Anfälligkeit für Stress bei der Arbeit. Aber warum fühlen sich Mitarbeiter, die unter einem Vorgesetzten arbeiten gestresster?

Dr. Tatjana Reichhart, Oberärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Centrum für Disease Management (CFDM) der Technischen Universität München, erklärt die Ergebnisse auf Basis der Befunde ihrer wissenschaftlichen Studien: „Die Erkenntnis, dass Vorgesetzte im Allgemeinen beruflich zufriedener sind und weniger Stress empfinden, findet sich auch in einigen anderen wissenschaftlichen Studien und lässt sich anhand dreier Faktoren erklären. Zum einen haben Führungskräfte mehr Handlungsspielraum und sind weniger abhängig von der Wertschätzung Vorgesetzter. Mangelnde Wertschätzung ist mit einem erhöhten Risiko für Burnout bzw. psychische Belastungen assoziiert, wie ja auch die vorliegende Umfrage deutlich zeigt. Des Weiteren sind Führungskräfte tendenziell älter und haben mehr Berufserfahrung. Diese beiden Merkmale sind mit einem niedrigeren Burnout-Risiko assoziiert, sie scheinen für Gelassenheit zu sorgen. Ein weiterer Grund für das geringere Stressempfinden bei Vorgesetzten kann sein, dass sie eben bereits Führungskräfte sind und nicht den Druck verspüren, sich für den nächsten Karriereschritt „verausgaben“ zu müssen. Die Befunde bedeuten jedoch nicht, dass Führungskräfte generell kein Risiko hätten, psychisch krank zu werden bzw. ein Burn-out zu bekommen. Gerade Führungskräfte in „Sandwich-Positionen“ können stark belastet sein.“

Weitere Informationen zur InLoox Work-Life-Balance-Studie 2015 finden Sie hier. Das Whitepaper zur Studie mit den ausführlichen Ergebnissen können Sie hier herunterladen.